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ZUHAUSE von Carson Ellis

"Zuhause" von Carson Ellis PICTUREBOOK

Carson Ellis hat mit ihrem Bilderbuchdebüt Home (Candlewick Press, 24 February 2015) ein kleines Kunstwerk auf sichere Beine gestellt. Als Zuhause ist das Buch in der  deutschen Ausgabe im gleichen Jahr im NordSüd Verlag erschienen. Schlicht und schön sind sowohl die liebevollen Illustrationen als auch der von der Künstlerin stammende sehr kurze Text der Geschichte. Ich würde die eher flach gemalten Bilder in eine Tradition der Volkskunst einer Barbara Cooney stellen, eben bloß noch etwas reduzierter und von den Motiven in der Gegenwart verortet. Zuhause ist eines dieser Werke, über die man sich wundert, da sie in einem die Frage aufwerfen, warum es dieses Buch nicht längst gibt oder schon immer gegeben hat, so natürlich und richtig erscheint es einem.

Es geht um die so simple als auch essentielle Frage, wie verschieden man wohnen kann. Dies zu zeigen, gelingt Carson Ellis auf äußerst charmante und humorvolle Weise, ohne dabei je witzig sein zu müssen. Alles ist bei diesem Buch im rechten Maß und wie aus einem Guss. Vor Kurzem ist bei NordSüd übrigens bereits das zweite Buch von Carson Ellis erschienen und auch dieses scheint auf den ersten Blick vielversprechend zu sein.

Eine tolle Autorin!

MIFFY von Dick Bruna

Miffi

Bereits 1955 von Dick Bruna entworfen und unter dem Titel „Nijntje“ publiziert. Nun gleich im Konvolut von sieben Titeln beim klugen Diogenes Verlag erschienen, der auch gerade andere Klassiker wie Goodnight Moon von Margaret Wise Brown und Clement Hurd erstmals in deutscher Sprache herausgebracht hat.

Gibt es jemanden, der Miffy nicht kennt? Falls ja, bitte diese Lücke in der ästhetischen Allgemeinbildung hier eigenständig schließen. Ansonsten braucht man über diesen Megastar der Bilderbuchklassiker eigentlich keine großen Worte verlieren. Miffy wird es noch geben, wenn viele andere Kinderbuchcharaktere längst wieder in der Versenkung verschwunden sind.

Miffy, Miffy we love you – alle lieben Miffy.

I MET A PENGUIN von Frank Asch

I MET A PENGUIN

Originalausgabe 1972 bei MCGRAW-HILL, New York.

Seit 2015 in der ersten Auflage bei NIEVES & AL PASTOR.

Ein zu unrecht nicht sehr bekanntes Bilderbuch – und – eines der schönsten Kinderbücher, das ich seit Langem in die Finger bekommen habe.
Eine sanfte und poetische, sehr berührende Liebesgeschichte zwischen zwei verschiedenen Spezies, einem Löwen und einem Pinguin.

In der Geschichte passiert vieles zwischen den Zeilen und es ist deshalb auch sehr für Erwachsene zu empfehlen.
Da die Illustrationen auf das einfachste reduziert sind, erinnert es an eine Ästhetik der 90er Jahre, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Es wirkt dank Shrigley und Co deshalb sehr zeitgenössisch, obwohl es bereits in einer Zeit entstanden ist, als diese Ästhetik noch ganz anders wahrgenommen wurde als heute.

Die Frage die sich bei solch ambitionierten und leisen Büchern vielleicht für manche Eltern anschließt, ist die, wie man die farbverwöhnten Kinder heute an schwarz-weiß Bücher heran bekommt.  Aber da beginnt eben die Verantwortung der Eltern, die zum Großteil selber Entscheiden müssen, mit was für Bildern und Geschichten ihre Kinder aufwachsen sollen. Die lauten und grellen Bildwelten der Gegenwart bieten jedenfalls einmal mehr Gelegenheit, unseren Kindern wieder einmal ein anspruchsvolles, vielleicht auch schwarz-weißes Bilderbuch unterzujubeln- oder es einfach genüsslich selbst zu lesen.

Ein Muss im Kinderzimmer.

NIEMALS WILDE KATZEN KITZELN, von Marc Boutavant und Pamela Butchart

Zuerst in englischer Sprache 2015 bei Bloomsbury Publishing Plc. London als „Never Tickle a Tiger“, nun bei REPRODUKT auch in deutscher Übersetzung:

Und genau hier fällt als erstes einmal die wunderbare Übersetzung des Titels ins Deutsche auf. Der Text von Pamela Butchart  ist toll gereimt. Er macht Spass beim Vorlesen.

Die Bilder von Marc Boutavant scheinen auf den ersten Blick nicht sehr aus dem Trend des immer noch allgegenwärtigen 60er/ 70er Retro-Looks herauszufallen. Aber auf den zweiten Blick bemerkt man schon die Frische und Lebendigkeit der Darstellung. Die Kinder sind sehr individuell und auch die Tiere – ganz besonders der wunderbare, riesige Tiger – haben durchaus Charakter.

Darf man als Betrachter den Inhalt von der Form trennen? Die Geschichte geht natürlich mit den Bildern eine untrennbare Symbiose ein – und dennoch: mir fehlt am Ende der Geschichte ein ganz klein wenig die etwas überraschendere Wendung, die gelungene Pointe oder der allerletzte Schliff zur Rundheit der Geschichte. Obwohl eigentlich alles zu stimmen scheint. Aber das ist Nörgeln auf durchaus hohem Niveau; die freche Schnauze der jungen Hauptprotagonistin ist schon wirklich schön getroffen, und für mich hat das Buch allein dadurch einen überaus charmanten Touch.

NICK UND DER WAL von Benji Davies

BENJI DAVIS

Erstmals 2013 bei Simon and Schuster UK Ltd. London unter dem Titel „The Storm Whale“.

2014 in Deutsch im Aladin Verlag, Hamburg.

Hat alles, was ein Bilderbuch braucht. Ein hübsch gemachtes Buch mit einer ganz einfachen, beinahe sanften Geschichte über Freundschaft und Abschied. Schön, das es auch unter den Neuerscheinungen immer wieder feine, engagierte Bücher gibt, die sich vom Mainstream abheben.

Mehr davon bitte!